Montag, 4. Februar 2013

Verzögerungstaktik



Lieschen ist unser Nesthäkchen. Und das weiß er genau. Trotzdem bin ich nun der Meinung, dass auch der kleine Monsieur nun mal in der Lage sein sollte, sich eigenständig zu be- und entkleiden.
Bisher kam er überhaupt nicht auf die Idee, dies einmal selbst zu tun. Nichts mit "Mama, ich kann das alleine", allerhöchstens ein panisches "Nicht DIE Unterhose". Es war an der Zeit, dass ich mal wieder mein Geduldsgewand anziehe und die Geschichte durchstehe. 

Das klappt auch ganz gut. Bis auf Hosen, die keinen Schiebeknopf haben oder ein paar wirklich hinterhältige Socken zieht er sich an. Morgens. Da ist man ja noch nicht so müde.
Und abends ist der junge Mann auch noch nicht so müde. Aber es gibt ja tausend Dinge zu entdecken.

Das geplante Procedere ist folgendes: Nach dem Sandmann geht es hoch, ich lege ihm seinen Schlafi und seine Windel (jaa - die hat er noch nachts) hin und er zieht sich um. Dann putze ich ihm noch die Zähne, wir huscheln noch kurz und dann ist Ende Gelände.

Aber da habe ich nicht die Rechnung mit einem fast Fünfjährigen gemacht.
Wir gehen hoch. Wie geplant. Ich lege den Schlafi hin. Wie geplant. Da es dauert und ich überhaupt keine Lust habe, dem jungen Mann anzutreiben, gehe ich und mache die Küche fertig. Natürlich immer mit mütterlichen Gluckenrufen (Lieschen, ziehst Du Dich aus??? Hast Du schon Deine Windel an??).

Nach zehn Minuten - Küche ist fertig - komme ich hoch. Monsieur hat EIN BEIN der Hose ausgezogen und spielt friedlich mit einem Auto.

Ich räume ein Körbchen Wäsche bei Fränzchen ein. Checkup im Kinderzimmer - unveränderte Situation. Ich werde etwas deutlicher. Und gehe wieder . Nach fünf Minuten: Mama, ich muss auf die Toilette!  Dann nach nochmaligen fünf Minuten: Mama, ich bin fertig!! Ich wieder hoch, Popo abputzen, seine Hose voll gepullert (tja, wenn man halt spielt, statt sich gleich auszuziehen).

Lieschen nackisch, einen Krankenwagen fahrend auf dem Parkett, zurück in sein Zimmer.
Nun muss erst der Krankenwagen repariert werden. Das dauert ein wenig.
Dann die Windel an. Ein Fortschritt. Mittlerweile überwache ich die Angelegenheit.

Ich spreche kurz mit Mäxchen - und schaue nicht weiter hin. Der nächste Anblick zeigt mir den Lütten. Wieder mit einem Bein - diesmal in der Schlafihose und Duplo spielend.
Herr, schmeiß Geduld vom Himmel!

'Wir haben es dann doch noch geschafft. 35 Minuten hat die Geschichte gedauert. Morgen zieht er seine Nachtwäsche VOR dem Kika an! Vielleicht hilft das!

Kommentare:

  1. Hach ja, wie schön, dass es nicht nur bei uns so ist. Allerdings nicht mit dem Nesthäkchen, sondern mit dem Großen. Wahrscheinlich wird der Kleine (knapp zwei) diesen Sommer schon sauber, während der Große (knapp 5) wohl noch in der Schule Windeln braucht.

    Wir sind - auf Anraten der Erzieherinnen und der Kinderärztin - sehr streng und konsequent. Je mehr Theater und Verzögerungen es gibt, desto früher wird das Abendprogramm eingeläutet, zurzeit um 18 Uhr. Ein Filmchen (z.B. Shaun das Schaf) gibt es erst nach dem Waschen und Zähneputzen. Einen neuen Film zur Auswahl (also auf das iPad geladen) gibt es nur bei erledigtem großen Geschäft auf der Toilette. Bei zu unartigem Benehmen werden Filme vom iPad gelöscht. Die muss er sich dann wieder erst verdienen, siehe oben. Aber es zerrt an den Nerven.

    Ich finde, Mütter sollten viel mehr Anerkennung bekommen. Unser Job ist manchmal verdammt hart. Aber doch auch der schönste auf der Welt, nicht wahr?

    Liebe Grüße,
    Henriette

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    1. Ach, das mit den Windeln wird sich schon irgendwann erledigen. Lieschen war bis vor drei Monaten am Tag nicht richtig sauber (da ging hier und da schon was daneben, wenn er abgelenkt war). Das große Geschäft ist natürlich eine anstrengendere Nummer- meine Großen haben, bis sie vier waren, diesbezüglich die Toillette hartnäckigst verweigert...bäh...was bin ich froh, dass das vorbei ist.
      Ich finde auch, wir könnten so einmal im Monat einen Orden bekommen, aber auch ohne wollte ich nicht tauschen!!
      Liebe Grüße

      Carolin

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