Freitag, 12. April 2013

Wenn ich groß bin, werde ich Kinderarzt

....sagt nicht einer meiner Söhne, sondern ich.

Donnerstag

Ich habe - in Lebensaltern summiert - seit 27 Jahren Kinder. Und wenn ich mir überlege, wie oft sie krank gewesen sind, saß ich in diesen 27 Jahren mindestens einmal pro in einer Kinderarztpraxis mit einer durchschnittlichen Wartezeit einer halben Stunde.
52 Woche x 0,5 Stunde x 27 Jahre = 677 Stunden bei einem KIA - das entspricht ungefähr 27 Tagen a 24 Stunden, die ich in einer Praxis mit verkeimten Spielzeug, hustenden und abwechselnd kotzenden Kindern, missgelaunten Säuglingen und Müttern, die ständig ihre Kinder füttern, verbracht habe. Das ist fast einer ganzer Lebensmonat,in dem ich mir hätte etwas besseres vorstellen können.

OK - die ersten Jahre habe ich sie wirklich gebraucht. Aber wenn man die gefühlt hunderste obstruktive Bronchitis überstanden hat, behaupte ich, hört ein geschultes Mutterherz durchaus, was Sache ist. Eigentlich hätte ich in den letzten Jahren nur noch anrufen und durchgeben müssen, was ich brauche.
Mittlerweile erkenne ich auch eine die Maul- und Klauen-Seuche (äh...Mund-Hand-Fußkrankheit), diagnostiziere jedes Windpocken-Püstelchen, kann in den Hals meiner Kinder schauen (und etwas sehen - alle drei sind darauf konditioniert, Aaaah zu rufen), der Tragusdruckschmerz wird in Fieberlagen regelmäßig getestet (mir fehlt nur noch ein Otoskop) und echten Scharlach erkenne ich auch (hüstel...bis auf das eine Mal, als Mäxchen schon dieses Munddreieck hatte.....aber das ist auch schon einige Jahre her)

Als Mama wird man in solchen Sachen Profi! Nicht in einem Jahr, aber bei mehreren kleinen Monstern mit diesem und jenem wird man abgeklärter (ich denke noch daran, als der Göttergatte diagnostizierte, dass wir mal ganz dringend zum Zahnarzt müssten, da Fränzchen Zahnschmerzen hat. Höhö, die Zähne haben gewackelt...das geht von alleine weg)

Klar liege ich auch mal falsch. Aber selten. Und dann bei Dingen, die doch schon ziemlich speziell sind. Wie bei der Neutropenie von Lieschen (das weiß kaum jemand, was das überhaupt ist)
Und bei dem Abszess von Mäxchen bin ich auch erst spät wach geworden (da mir  der Kerl das nicht gezeigt hat)
Bei Warzen bin  ich auch Profi. Und gehe nicht mehr für ein Vermögen zum Hautarzt. Wir haben unser Super-Duper-privat-Spezialmittel. 
Aber bei der chronischen Sinusitis von Mäxchen weiß ich auch nicht, was ich tun soll. Da wissen aber auch die Ärzte nicht weiter.

Aber heute.....seufz....
Lieschen ist krank. Seit Dienstag. Fieber . Mal wieder. Keine Symptome.
Bis gestern. Da schwollen auf einmal die Lymphknoten alle an und er hatte Halsschmerzen. Außen! Wir wollten eigentlich zur Beisetzung unserer Oma. Aber ich sah schon ,dass das nichts wird.
Also heute morgen zum neuen Kinderarzt.
Wieder eine Dreiviertelstunde meines Lebens Wartezeit. Es war kein einziges krankes Kind im Wartezimmer, aber der Kollege ist Neurologe und behandelt ADS und ADHS (das ist mir ja ein Dorn im Auge...). Es saßen also dort aufgeregte Eltern, hibbelige Kinder und kernentspannte Ergotherapeuten. Und eine U3 vor uns. Das dauert.

Lieschen wird untersucht. Hals - o.B. (war klar),Ohren (ein kleines bisschen matt) - ich sag, ich brauch ein Otoskop, Lunge frei (jaaaa, das war auch klar)
Ende vom Lied: Man waaaasesnett (für Nichthessen: Sehr geehrte Frau Julika, ich habe keine Ahnung, vermutlich ein Virusinfekt, aber die Lymphknoten gefallen mir nicht.)
MORGEN SOLLEN WIR WIEDERKOMMEN, WENN ES NICHT BESSER WIRD!!!

OK - der Arzt war supernett. Und abgeklärt. Nicht panisch.  ABER WIESO SOLL ICH MORGEN WIEDERKOMMEN??? Hätte man nicht heute sonst ein Blutbild machen können???  Oder - bei wesentlich schlechterer Lage - eine Antibiose auf Verdacht ?? Ok - mein alter KIA hat das gemacht. Der wusste aber auch,dass ich das nicht gleich in das Kindelein hineinwerfe...
Vermutlich ist es viral - schon ein bisschen komisch mit diesen dicken Lymphknoten, aber mein Gott: Es ist nicht die tollste Freizeitbeschäftigung, mit einem kranken Kind eine gefühlte Ewigkeit im Wartezimmer sitzen zu müssen.... Zumal das Kind ausnehmend aufgeräumt wirkte (das ist bei meinen Kindern der üblichen KIA-Effekt- zu Hause das Leiden Christi, in der Praxis munter plappernd)


Freitag

Das Lieschen ist immer noch nicht fieberfrei. Die Nase leckt...äh ...läuft...oder wie sagt man das im Hochdeutschen   :) Aber geredet hat er heute ohnepunktundkomma. Interessanterweise in einem hohen Sopran. Aber total aufgeräumt. Hals ist auch besser. Mist, da hätte ich auch vielleicht zur Beisetzung fahren können. Aber konnte man das denn ahnen???


to be continued




Kommentare:

  1. Liebe Julika,
    köstlich Dein Beitrag, ich mußte wirklich laut lachen.
    Nun muß ich mal rechnen:
    okay, in Lebensalter meiner vier Söhne bin ich seit 77 Jahren Mutter, wie viele Jahre ich bei den Ärzten gehockt war, keine Ahnung. Heute waren es jedenfalls 1 1/2 Stunden bei meinem Schulterspeziallisten, er sagt: Geduld, Geduld, Geduld... nicht stressen lassen... es wird alles gut werden...

    herzlich Judika

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    1. Du liebe Zeit - dagegen bin ja blutige Anfängerin :)
      Judika, ich wünsche Dir weiterhin Gute Besserung!!
      Liebe Grüße
      Julika

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  2. Gute Besserung für das Lieschen!

    Mir graut vor nächster Woche, da muss ich mit beiden Kindern zur U7 und U9. Und unser Arzt ist auch noch umgezogen, also längere Anfahrt mit Umsteigen und eine ungewohnte Umgebung. Hurra!

    Liebe Grüße,
    Henriette

    Mein Schwager hat auch mal einen Scharlach nicht erkannt und der ist sogar Internist!

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    1. Uuups, zwei Us auf einmal - da gibst Du Dir ja die volle Breitseite. Aber wenn eine längere Anfahrt dabei ist, lohnt sich das ja wirklich. Ich drücke Dir die Daumen!
      Liebe Grüße
      Julika

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