Donnerstag, 2. Mai 2013

Hochzeit

Nein, nein, ich nicht. Ich bin schon längst verheiratet und das war eine total coole Party. Nur der Göttergatte und ich und unsere beiden Trauzeugen....und Fränzchen schon dabei (aber noch im Bauch). Ich habe meinen Brautstrauß selber besorgt, irgendwo einen Tisch gebucht, Grillzeugs gekauft und das war´s .Dass meine Eltern sich ein paar Stunden dazu gemogelt haben, verdränge ich gerne mal. Denn ich wollte eine ganz private klitzekleine Hochzeitsfeier.....aber dennoch war es schön.

Aber da ich ja nun mal die älteste Tochter bin und meine Eltern (also meine Mama und mein Stiefvater) nach langer Krankheit ad hoc beschlossen haben, schnell mal so eben zum fünfundzwanzigsten Hochzeitstag noch kirchlich zu heiraten und dazu noch die ganze Verwandtschaftsmeschpoke einzuladen, sammelten sich bei mir heimlich still und leise diverse Arbeitsaufträge....

Angefangen mit meinem Schwesterherz, die extra gekommen ist, um die Hochzeit zu besprechen ("Äh- was besprechen?" dachte ich bei mir).
Aber ich kenne ja meine Schwester. Sie wünscht Programm (oder denkt vielmehr, dass Programm gewünscht wird...was ein Irrtum ist - meine Mutter hingegen liebt das gar nicht)

1. Ein Lied muss her. Das sehe ich ja ein. Darauf steht meine Mutter. Und meine Schwester hat wirklich traumhaft gedichtet. ICH soll die Gitarrenbegleitung liefern. Höhö- wann habe ich das letzte Mal eine Gitarre in der Hand gehabt.?....ich glaube, ich muss noch mal üben. Zwischendurch ein Anruf: Wir brauchen von Dir noch ein Zwischenspiel....HÄH??? Kannichnich.....ABGELEHNT! Text auswendig lernen und Begleitung dazu muss reichen. Ich klimpere also den lieben langen Tag das Hochzeitslied zur Melodie " Bolle reiste jüngst zu Pfingsten"...hoffentlich halten die Pfoten durch.

2. Die Kinder sollen auch etwas vorführen. Ich sage brav ja bei Manamana. Tooootal easy, Lied kennt jeder, kann man bestimmt im Netz runterladen, ach, diese zehn Püppchen, Kinderspiel...und dann noch schnell eine Bühne zaubern....ich neige zur Selbstüberschätzung, was vor allen die Stundenanzahl des Tages betrifft. Spaß hat es ja gemacht, das alles zu produzieren - fällt mir ein, die Kinder haben das noch kein einziges Mal geübt.

3. Meine Mama ruft an. Ähhh, jaaa, der Pfarrer hat gesagt, dass sich die Verwandten um die Hochzeitskerze kümmern. Soso.....ich wittere Auftrag Nummer 3. Abgesehen davon, dass ich gar nicht wusste, dass Hochzeitskerzen existieren....habe ich mal angefangen zu basteln.
Und das schändliche Werke ganz schnell in der hintersten Ecke versteckt. Wachs ist NICHT mein Material.  Beim Auktionshaus gab es ganz schicke, sogar bezahlbar, also bestellt.

4. Ringkissen???? Aha.....wasndas?? Jaaa- auch Ringkissen bestellt. Die Rose werde ich abroppen - da habe ich mich wohl in der Farbe vertan....neongrün tse tse ..es kommt eine echte Rose drauf und ich bete, dass mein Sohn das Ringkissen in der Kirche nicht fallen lässt. Denn sonst müssen sich alle Erwachsenen auf den Boden in der Kirche schmeißen und die Klunker suchen.

5. Geschenke: Geplant diverse Gutscheine (auf Wunsch des Schwesterherzes Gutscheine in Luftballons und das Brautpaar muss die Luftballons zertreten....das ganze übliche Procedere). Da aber meine Schwester gar keine Zeit hatte, sich um irgend etwas zu kümmern, fällt dieses unsägliche Spiel leider aus und sie schenkt einen Gutschein für ein Fotoalbum. Von meiner Wenigkeit kommt ein Kräutertopf mit genähten Schildern vom Mäxchen (DANKE Judika!!!) und ein Bild der Kinder.

6. Kurzer mütterlicher Anruf , meine Wenigkeit möge doch mal schnell den Liedtext umformatieren (so Hoch-oder Querformat einzustellen, ist nicht ihre Sache) - das war mal ein einfacher Auftrag!

7. Noch ein mütterlicher Anruf mit der bescheidenen Bitte, für dreißig (!) Personen Heringssalat zu produzieren nebst diverser Kleinigkeiten wie ein Schokoladen-Nuss-Kuchen sowie ein Zitronenkuchen (auf meine Ansage, dass dieser Kuchen sicher einer von Dr. Oe wird, kam gar keine Gegenwehr - meine Mutter muss schon ziemlich mit den Nerven rasiert sein)


Eine liebenswerte Freundin hat mir eine Salatschüssel geliehen (ich war der irrigen Hoffnung, dass sie GROSSE Schüsseln hat). Mitnichten - dieses Teil ist für eine, maximal zwei Rezepte ausgelegt.
Kann ich den Heringssalat auch in einem Bräter machen???

8. Klamotten - da kommen alle schick in Schale!!! Der Göttergatte auch - hat ja genug Anzüge im Schrank. Und ich habe auch was Schickes (hoffentlich passt es noch). Und meine drei Jungen werden in neu erworbene Hemden gezwirbelt und das war´s. ICH KAUFE KEINE ANZÜGE, DIE DANACH NIE WIEDER GETRAGEN WERDEN!!

9. Da hat doch das Schwesterherz es nicht geschafft, die Liedtexte zu versenden. Und ich Volltrottel sage: "Ach, das ist doch gar kein Probem." Supi - die Hälfte der am Samstag Anwesenden ist mir völlig unbekannt (da kommt so die Generation Werner, Erich, Maria ......das Durchschnittsalter wird bei 75 liegen)  und ich kann nicht mal so wortlos einen Liedtext verschicken.  Und dann habe ich auch noch Ansprüche und schreibe jedem ein Extra-Kärtchen, hach, und ein Bildchen muss auch noch drauf...tja...so bin ich... man kann sich das Leben auch schwer machen.

10. Nicht zu vergessen, die normalen privaten Planungen,wenn man mit einer fünfköpfigen Familie den ganzen Tag unterwegs ist....
Hier meine ganz private Liste, was alles ins Auto muss:
Hochzeitskerze Ringkissen Heringssalat Zitronenkuchen Schokoladenkuchen Bobbycar Dreirad Anhänger Ersatzklamotten für alle Kinder Kräutertopf Gitarre Stimmgabel Liedtexte- mehrfach Porträt der Kinder (eingepackt) DVD-Player (ist wesentlich entspannter zu fahren) Gesangbuch Kinderbett  Handpuppen Bühne Spielzeug (nicht viel - nur für´s Restaurant)   Joggingklamotten für den Gatten Kamera Schildchen für Kräutertopf  DREI Kinder  to be continued

11. Und kann sich jemand unser Auto vorstellen?? Das ist kein Auto, das ist ein Wohnzimmer....mit dem Inhalt kann sich eine zehnköpfige Mäusefamilie mehrere Wochen ernähren und falls man zwischendurch mal Stöckchen für ein Lagerfeuer braucht, kann man sich im Fußraum bedienen. Getrockneter Lehm für ein Fachwerkhaus habe ich auch zu bieten.
Die Vorstellung, dass meine 92jährige Oma in diesem Gefährt Platz nimmt und ihr schickes Kostüm ruiniert...abgesehen von den Blicken......
NEIN, ich sauge es jetzt nicht selber. Das treue Gefährt ist vor einer halben Stunde beim Autosaubermachfritzen meines Vertrauens angekommen und wird hoffentlich nachher "glitzglank" hier wieder auftauchen.
18.00 Uhr: Auto ist wirklich GLITZGLANK - Oma Ur wird es freuen

12. Reinigung.....die haben den Anzug noch nicht fertig...knurr.....heute Nachmittag auf ein Neues

13. Nur ein Auszug aus meinem Einkaufszettel für nachher



Schokoladenkuchen
200 g Haselnüsse
200 feine schokolade
Zwieback
Butter 4x
Backpulver
Vanillezucker
Zucker!!!
6x Heringe
3 Gurkengläser
1 Zwiebeln
3 Kapern
2 Rote Beete
 Zitronenkuchen 2x
20 Eier
Wurst und Käse
Rotwein
Saft
Mineralwasser
Bier (alkoholfrei)
Kekse
Gemüse
Weintrauben
1x Bordelaise
1x Reis
1x Nudeln
 
Stand 18.00 Uhr: Wir haben zu viert für 150 Euro eingekauft! Kühlschrank war so was von leer.....und um 17.59 h und 30 Sekunden mit quietschenden Reifen vor der Reinigung gehalten... juchhu - der Anzug ist fertig.


to be continued :)




Kommentare:

  1. Liebe Julika,

    wenn der ganze Zauber vorbei ist, haste bestimmt Zeit für nen Volkshochschulkurs zum Thema "Wie sag ich höflich und bestimmt NEIN".

    Das Skript für diesen Kurs würde ich mir dann gern mal ausborgen, ich hab da auch noch Lernbedarf.

    Ich wünsch Dir starke Nerven für die nächste Zeit.

    Und wenn mich im nächsten Jahr jemand fragen sollte, was ich mir zum Geburtstag wünsche, denn einen Gutschein für ne gründliche Fahrzeuginnenreinigung ...

    Nen lieben Gruß von Antje

    AntwortenLöschen
  2. Das hört sich nach jeder Menge Arbeit an!
    Ich bin schon gespannt, was du so zu berichten hast!

    Dann noch die Stoffrotation... die Tage bräuchten immer noch extra Stunden!
    Ich könnte sie gebrauchen, um weiter an meinem Blog zu basteln...

    Sei ganz lieb gegrüßt und ein schönes Wochenende vom Hauptstadtmonster

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Julika,
    wie ich das kenne....
    NEIN-Sagen, das muß man echt lernen. Wir sind auf 50. Geburtstag einer Bekannten eingeladen, vor kurzem hätte ich noch gefragt: "Soll ich Dir einen Salat oder einen Kuchen mitbringen..." Dieses Mal nicht, erstens weiß ich nicht wie es meiner Schulter am Festtag geht und 2. m u s s ich nicht immer was zum Buffet beisteuern, gilt natürlich nicht bei Eltern und Geschwistern.
    Freut mich dass Du Dir bei mir eine Anregung fürs Geschenk holen konntest, bloggen ist für mich Inspirationen sammeln.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar - ich freue mich über jeden Einzelnen!!