Montag, 16. November 2015

16. Februar

 16. Februar

Die Großen gehen in die Schule. 
Ich wecke Lieschen, der ausgesprochen missmutig daherkommt, jankt, weint, Kopfschmerzen hat, sich heiß anfühlt, aber kein Fieber hat und beschließe, dass er vielleicht einfach einen Mama-Tag braucht. Er verschwindet nochmal eine Stunde ins Bett, ich räusele hier und da, nähe schnell einen Loop fertig (sieben Adventskalender wollen dieses Jahr bestückt werden), wir fahren einkaufen, bringen Altglas weg, bestücken Rewe mit Pfandglas in der Höhe von 25 Euro (!) und erhalten an der Kasse 29 Star-Wars-Karten (die Verkäuferin kennt uns schon lange) . Der Tag ist für Lieschen gerettet. Er sortiert und fachsimpelt (obwohl er von StarWars keine Ahnung hat), aber die Kärtchen bilden anscheinend.

Express-Mittagessen wird vorbereitet. Währenddessen bildet sich Lieschen weiter und liest in der Medizini.
"Diiiiiiee  waaaaaiiiiiibliiiiiiiiichen Geeeeeeeschläääääääääääääächtsorgaaaaaane und die määäääääääännnnliiiiiiiiiiiiichen Geeeeeeeeeeschläääääääääääächtsorgaaaaaaaaaaane....Mama, was ist das??? Achso, ich weiß selber, das ist, wie Mädchen und Jungen aussehen."
Super - um die ausschweifende Antwort herumgekommen.

Mäxchen kommt nach Hause und berichtet von der Schweigeminute in der Schule. Später stellt es sich heraus, dass alle Schulen (ob Grundschule, weiß ich nicht) eine Schweigeminute abgehalten haben.  Es entsteht ein langes Gespräch über die Terrorangriffe in Paris, was in dem Fußballstadion gewesen ist (wie großartig die Veranstalter reagiert haben) - Lieschen bekommt alles mit. Ich kann ihn davor nicht schützen. 

Lieschen schaut Kika, ich verhandele mit Dawanda-Verkäufern (dieses nicht da, jenes nicht da), schicke ENDGÜLTIG die letzten Steuerunterlagen weg, es klingelt mehrfach (den Überblick über die Gäste in diesem Haus habe ich verloren), Fränzchen ist auch da (er nimmt den Nebeneingang - da bekomme ich manchmal gar nicht mit, dass er wieder zu Hause ist) und ich fange an,
Japanpapier und Perlenmaker zu suchen.
Müsste alles da sein. Ist es aber nicht. Die Kiste mit Acrylfarben hat sich auch in Luft aufgelöst.

Dabei wollte ich doch ganz dringend Windlichter (für den Adventskalender, schon klar) fabrizieren.
Das ganze Projekt scheitert daran, dass
a) die Perlenmakertuben weg sind (Himmel, die sind ganz ordentlich in einer Ziploc-Tüte, aber wo???)
b) Japanpapier nur in dunkelblau und grün vorhanden ist
c) die sensationellen Senfgläser von diesem unfassbar leckeren Biosenf (ich könnte mich reinsetzen) zwar alle vorhanden sind (acht Stück, ich bin stolz auf mich), aber die so einen widerlichen Kleber verwenden, der nur mit Reinigungsbenzin zu entfernen ist (VIEL Benzin), so dass ich beschließe, dass eine andere Bastelaktion angebracht ist. Denn - ich muss Lieschen vom Fernseher weglotsen. 

Und ich finde Uralt-Window-Colors. Die Dinger sind ja nun wirklich ein alter Hut. Aber Lieschen kennt ja die alten Hüte noch nicht.
Also präsentiere ich ihm meine Flaschen (die noch flüssig sind) - und das allererste Mal ist dieses Kind von einer Bastelaktion meinerseits entzückt.

Die Flaschen sind zwar verstopft und müssen alle mit einer Nadel aufgepiekt werden, er muss ich vorher ein Bastel-T-Shirt anziehen, wir brauchen Zeitungspapier für den Tisch...alles Dinge, die ihn normalerweise schon davon abhalten, mitzumachen. Und wenn, dann EIN Bild.

Und ich Rabenmutter habe auch noch verkündet, dass man diese Bilder auch noch verschenken kann. Denn Weihnachten ist jetzt nicht mehr so weit. 

Und wir malen...und malen....und malen.....

Rekord - das Kind ist eine Stunde und vierzig Minuten am Ball geblieben. Nonstop.  Und hat vier Bilder gemacht. Pannen ausgestanden. War locker, wenn es mal nicht so lief (im wahrsten Sinne des Wortes) und war - das ist das Wichtigste - stolz auf sein Werk.
Und er hat geplappert und erzählt und geredet und philosophiert - es war eine wahre Freunde. Zwischendurch hatte er so einen Flash, dass er sich überlegt hat, doch Künstler statt Verkäufer zu werden...

Nein, das sind keine Kunstwerke. Und mit Fenstermalfarben zu malen hat auch nicht so den kreativen Touch (alle Kunstpädagogen würden mich lynchen) . Aber das ist mir sowas von egal, denn er ( der noch vor einem guten Jahr alles, was in diese Richtung lief wie Ausmalen, Nachspuren etc. GEHASST hat) hat etwas gefunden, was ihm Freude bereitet. Und das freut mich ungemein.

1 Kommentar:

  1. Hach, ich freu mich mit Dir!
    Ich kann das sehr gut verstehen, mein Großer hat früher auch nicht gemalt. Rein gar nichts. Inzwischen malt er sogar freiwillig. Der Kleine malt gern frei, aber ausmalen hasst er. Naja, ich bleibe entspannt.

    In unserer Schule wurde im Religionsunterricht über die Angriffe in Paris gesprochen. Der Große erzählte davon und der Kleine (4) hat auch alles mitbekommen. Und das, nachdem er neulich wochenlang schlecht geträumt hat, weil ich einen Hexenschuss hatte. Ich hatte zwar erklärt, dass man das nur so nennt, dass es keine Hexen gibt und auch niemand auf mich geschossen hat. Trotzdem hat ihn das total verstört. Aber die Sache in Paris scheint ihn nicht zu interessieren. Fehlt wohl der persönliche Bezug.

    Ich hatte als Kind übrigens das Album von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". Ohne irgendeine Ahnung zu haben. Aber irgendwer hat ja immer große Geschwister, die was erzählen und die Jüngeren plappern es nach oder improvisieren. Hauptsache, sie können Experten spielen.

    Sei lieb gegrüßt!
    Henriette

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